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Krankenkassen – Deutlich tiefere Prämien wären möglich!

Viele Versicherte zahlten den Krankenkassen in den letzten Jahren überhöhte Prämien. Deshalb sitzen die Kassen auf milliardenschweren Reserven. Doch nur wenige bauen ihr Polster nächstes Jahr mit günstigeren Prämien ab.

Eine Übersicht zu den Reserven der zehn grössten Krankenkassen in Mio. Fr., Stand 01.01.2021, Quelle Bundesamt für Gesundheit.

KasseVorgeschrieben ReserveTatsächliche ReserveÜberschussquoteÜberschussPrämienanpassung
Visana476.21271.4267%795.225.0
Concordia419.71076.2256%656.5166.1
CSS519.41269.9244%750.560.0
Helsana662.51424.3215%761.876.0
Group Mutuel211.5423.5200%212.034.3
Swica400.3751.7188%351.4-
Sanitas405.2679.0168%273.8-
Assura546.7821.5150%274.830.9
KPT276.7415.5150%138.8-
Arcosana173.8168.797%-5.130.0

Das Bundesamt für Gesundheit frohlockte Ende September: «Die Belastung der Haushalte durch die Krankenkassenprämien 2022 sinkt deutlich.» Doch auf eine grosse finanzielle Entlastung können sich die Versicherten nicht freuen: Die Durchschnittsprämie reduziert sich nur um 0,2 Prozent. Je nach Wohnort zahlen Versicherte etwas mehr oder weniger.

Reservepolster von 12,4 Milliarden

Angesichts der hohen Reserven der Krankenkassen wären deutlich tiefere Prämien möglich. Denn laut Bundesamt sassen die Krankenkassen in der Grundversicherung Anfang 2021 auf ­einem rekordhohen Reservepolster von 12,4 Milliarden Franken. Das ist mehr als doppelt so viel, wie der Bund vorschreibt. Die Kassen legten selbst im Corona-­Jahr 2020 nochmals um mehr als 1 Milliarde zu. Das zeigt: Viele Kassen verlangten von den Versicherten in den letzten Jahren zu hohe Prämien.

Beispiele: Die CSS verfügte Anfang 2021 über Reserven von rund 1,3 Milliarden – vorgeschrieben wären 519,4 Millionen. Von den zehn grössten Kassen hatte die Visana prozen­tual am meisten Reserven (siehe Tabelle).

Trotzdem bauen lediglich 14 von 51 Krankenkassen im nächsten Jahr ihre Reserven ab. Total fliessen nur knapp 380 Millionen Franken zu den Versicherten zurück. Die CSS mit einem Überschuss von 750,5 Millionen reduziert die Prämien nur um 60 Millionen. Konkret: Erwachsene erhalten eine Vergünstigung der Prämie von knapp 7 Franken pro Monat. Die Helsana verwendet von ihrem Überschuss (761,8 Millionen) 76 Millionen zur Verbilligung der Prämien: Erwachsene zahlen 5 Franken pro Monat weniger. Die Visana entnimmt ihren Reserven bei einem Überschuss von 795,2 Millionen gerade mal 25 Millionen. Das ergibt bei Erwachsenen eine Prämienreduktion von 6 Franken.

Die Helsana begründet den geringen Reserveabbau damit, dieser müsse «nachhaltig sein». Bei einem zu grossen Abbau würde ein zu grosser Kundenzuwachs drohen. Visana-Sprecher David Müller sagt, man habe bei der Festlegung der Prämien für nächstes Jahr einen weiteren Abbau der Reserven von rund 85 Millionen Franken einberechnet. Die CSS erklärt, man wolle die Prämien konstant halten und plane einen Abbau über mehrere Jahre. Die KPT, Sanitas und Swica erklären, sie hätten die Prämien für 2022 knapper kalkuliert. Wenn diese nicht ausreichen, würden die Krankheitskosten dann aus den Reserven finanziert. Die KPT geht von rund 20  Millionen aus, die Sanitas spricht von einem «zweistelligen Millionenbetrag». 

Bundesamt verbot Prämienerstattung

Die Krankenkasse Sympany bemühte sich bereits im Jahr 2014, einen Überschuss von rund 1,2 Millionen Franken an Versicherte in den Prämienregionen Bern, Solothurn und Zürich zurückzugeben. Mit einem neuen Versicherungsmodell sollten zudem alle Versicherten jeweils nach dem Jahresabschluss allfällig zu viel bezahlte Prämien zu­rückerhalten. Das Bundesamt für Gesundheit verbot Sympany jedoch, Prämien zu erstatten. Marc Masselier wollte vom Bundesamt wissen, weshalb es gegen tie­fere Prämien für Grundversicherte vorging. Sprecher Grégoire Gogniat begründet dies mit der fehlenden gesetzlichen Grundlage für diese Art von Prämienausgleich. Sympany wehrte sich bis vor Bundesgericht. Vergeblich: Die Richter kamen zum Schluss, dass für die Rückerstattung eine gesetzliche Grundlage notwendig gewesen wäre.

Keine Obergrenze für Reserven festgelegt

Inzwischen sieht das Krankenversicherungsaufsichtsgesetz vor, dass eine Krankenkasse bei Überschüssen «im Folgejahr einen Prämienausgleich machen» kann. Das Geld landet also nicht in der Reserve, sondern fliesst direkt an die Versicherten zurück. Sechs Krankenkassen machten im Jahr 2020 von dieser Möglichkeit Gebrauch: Assura, Concordia, die Einsiedler Krankenkasse, Kolping sowie Moove und Vivao Sympany. Insgesamt 133,5 Millionen gaben sie ihren Versicherten zurück. Am meisten waren es bei der Concordia mit mehr als 90 Millionen, gefolgt von der Assura mit 30 Millionen.  

​Eine Obergrenze für die Reserven gibt es nicht. Die Kantone Freiburg, Genf, Jura, Neuchâtel und Tessin reichten zwar 2020 entsprechende Standesinitiativen ein. Die Versicherer sollten verpflichtet werden, ihre Reserven abzubauen, wenn diese 50 Prozent über dem vom Bund vorgeschriebenen Betrag liegen. Doch der Ständerat erteilte dem Anliegen im Juni mit 22 zu 17 Stimmen eine Abfuhr.

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